Digitale Transformation im Energie- und Versorgungssektor

Digitale Transformation im Energie- und Versorgungssektor

Heutzutage ist der Energie- und Versorgungssektor gezwungen, Veränderungen vorzunehmen. Die Entwicklung der Sharing Economy, die eine rationellere Ressourcennutzung, einen kundenorientierten Ansatz bei der Leistungserbringung, eine steigende Nachfrage nach grüner Energie, einen wachsenden Trend zur Nutzung von Elektroautos und vieles mehr mit sich bringt, ermutigt die Energie- und Versorgungsunternehmen, nach neuen Möglichkeiten und Geschäftsmodellen zu suchen.

Um alle Herausforderungen des Marktes effektiv zu bewältigen und mit der lokalen Energie- und Klimapolitik im Einklang zu sein, müssen die Energie- und Versorgungsunternehmen eine nachhaltige digitale Infrastruktur entwickeln und aufbauen. Es kann den Unternehmen helfen, mit den bereits stattfindenden Veränderungen effektiv Schritt zu halten und auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, indem sie qualitativ hochwertige Dienstleistungen erbringen.

In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf folgende Fragen:

  • wie die digitale Transformation die Beziehungen zwischen Energie- und Versorgungsunternehmen und ihren Kunden verbessern kann;
  • welchen Herausforderungen die Energie- und Versorgungsunternehmen bei der digitalen Transformation begegnen;
  • welche Faktoren die Digitalisierung im Energie- und Versorgungssektor vorantreiben;
  • wie die Unternehmen vom Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur profitieren können.

Digitale Transformation zur Neudefinition der Beziehung zwischen Energie- und Versorgungsunternehmen und ihren Kunden

Kunden sind heute anspruchsvoller denn jemals vorher. Sie sind besser informiert, haben eine größere Auswahl an Marken und haben deswegen höhere Erwartungen. Banken, Einzelhändler, Telekommunikation und Unternehmen aus anderen Bereichen konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Kunden, bieten On-Demand-Dienste sowie alle Arten von Waren an und streben danach, über Omni-Channel-Plattformen Beziehungen mit ihnen in Echtzeit aufzubauen. Die Erfahrung, die Kunden von Energie- und Versorgungsunternehmen erwarten, ist die gleiche.

Die Energie- und Versorgungsunternehmen, die es schaffen, sich schnell umzuwandeln und ihren Kunden die Dienstleistungen und Produkte anzubieten, die ihren Erwartungen entsprechen, werden es schaffen, ihre Position am Markt zu behalten. Dazu müssen Unternehmen die bestehenden Kundenservice-Ansätze aus anderen Sphären übernehmen und innovative Wege zur Leistungserbringung entwickeln. Sie können zum Beispiel Energie an Kunden in den benötigten Mengen und bei Bedarf verkaufen, Strom ausschließlich aus erneuerbaren Quellen anbieten oder Kunden Apps zur Verfügung stellen, mit denen sie ihre Rechnungen bezahlen, Tarife vergleichen, Rabatte erhalten können usw.

Um die Angebote an den Kundenbedürfnissen auszurichten, müssen die Unternehmen mehr über diese Bedürfnisse erfahren. Mithilfe von Tools für die Datenanalyse können sie ihre Kunden in Gruppen segmentieren und ihre Angebote sehr genau ausrichten, wodurch ihre Dienstleistungen personalisierter werden. Wenn Sie zum Beispiel einkommensschwachen Kunden Optionen zur Rechnungszahlung anbieten, können Sie ihnen persönliche Tipps und Analysen zum Energiesparen zur Verfügung stellen, oder die Kunden benachrichtigen, wenn ihr Stromverbrauch ungewöhnlich hoch ist, und vieles mehr.

Abgesehen von der Nutzung von Analysetools sollten Unternehmen überlegen, wie sie ihre Strukturen mit verschiedenen Technologien aufrüsten können, um neue Dienstleistungen bereitzustellen. Dies könnte beispielsweise den Verbrauchern ermöglichen, Energie zurückzuverkaufen, wenn sie die Kapazität der Batterien in ihren Haushalten übersteigt, oder ihnen die Möglichkeit geben, Energie in Peer-to-Peer-Szenarien zu teilen, und viele andere Möglichkeiten.

Hauptprobleme der Digitalisierung im Energiesektor

Die digitale Transformation ist in der Energie- und Versorgungsbranche vielversprechend. Allerdings ist es in diesem Industriesektor viel schwieriger, digitalen Wert zu erzielen als in jedem anderen. McKinsey&Company hat dafür mehrere Gründe ermittelt. Schauen wir sie uns genauer an.

Physische Orientierung

Jedes Energieunternehmen muss die Gesetze der Physik in Rücksicht nehmen, z.B. Solarenergiephysik, Winddynamik, Geophysik und viele andere. Vor allem handelt es sich um schwere Vermögenswerte wie Kraftwerke, Ölplattformen, Pipelines und andere. All diese Faktoren erschweren den Geschäftsbetrieb und die Gewinngenerierung erheblich. Daher muss die Software für die Energiewirtschaft einen hohen Mehrwert für die Unternehmen bieten, um sie in die Aktivitäten der Energieerzeugung, -verarbeitung und -vermarktung zu integrieren.

Sicherheitsrisiko und Einhaltung der Dokumentation

Energie kann gefährlich sein, wenn sie unsachgemäß behandelt wird, deshalb stellt die Industrie hohe Anforderungen an Sicherheitsmaßnahmen. Abgesehen von den Sicherheitsvorschriften müssen die Unternehmen auch sicherstellen, dass ihre Dokumentation und ihr Betrieb den lokalen Gesetzen entsprechen, z.B. Regeln zur Land- und Wassernutzung, Anforderungen an den Kundendienst, die Verwaltung des internationalen Handels und vieles mehr. Sie alle erfordern eine detaillierte Analyse und strikte Durchsetzung. Diejenigen Softwareunternehmen, die digitale Lösungen für die Industrie erstellen, müssen alle Aspekte der Einhaltung von Gesetzen und Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigen und dies in den entwickelten Anwendungen vollständig einhalten.

Ingenieur Orientierte Kultur

In der Energie- und Versorgungsbranche legen Ingenieure die Regeln fest. Unternehmen entwickeln die Ingenieur Traditionen und die Mitarbeiter haben vorzüglich eine Ingenieur Mentalität, die sich in der Bevorzugung großer und umfassender Projekte, detaillierter Planung und Analyse gegenüber schnellen Anpassungen und Flexibilität widerspiegelt.

Der Digitalisierungsprozess wiederum ist mit viel Experimentieren, schnellen Veränderungen und Innovationen verbunden. Bei der Integration von neuer Software in ein Energieunternehmen müssen Geschäftsinhaber und Interessengruppen deshalb sicherstellen, dass die Implementierung gut geplant ist, die Lösung gut getestet ist und dem Unternehmen klare Vorteile bietet.

Starke Abhängigkeit von Dritten

Energieunternehmen verlassen sich stark auf ihre Lieferketten, die die Beteiligung von Unternehmen aus anderen Branchen umfassen, z. B. von Automobil-, Wartungs- und Bauunternehmen, Unternehmen, die Finanzierungen und regulatorisches Engagement bereitstellen, und vielen anderen. Software für die Energiewirtschaft muss jeden Teilnehmer der Lieferketten einbeziehen und eine ausreichende Anzahl von Werkzeugen für einen effektiven Geschäftsbetrieb bereitstellen.

Globale Aktivitäten

Die Energieunternehmen sind standortabhängig. Dies bedeutet, dass sie in Regionen tätig sind, die reich an natürlichen Ressourcen sind oder die Bedingungen für eine effiziente Energieerzeugung von Texas bis China haben. Alle diese Regionen unterscheiden sich erheblich in den rechtlichen und betrieblichen Umgebungen. Sie haben zum Beispiel Unterschiede bei den Arbeitskräften, der Reife der Lieferketten, der Regierungspolitik und vielem mehr. Jeder dieser Faktoren erhöht die Komplexität der Geschäfts Digitalisierung und erfordert eine jeweils individuelle Herangehensweise.

Trends, die den Wandel in der Energiewirtschaft vorantreiben

Obwohl die digitale Transformation für die Energiebranche eine Herausforderung darstellt, ist das Phänomen für sie nicht neu. Energieunternehmen haben in großem Umfang Innovationen eingeführt und verlassen sich bei ihrer Arbeit im Allgemeinen ziemlich stark auf Technologie. Beispielsweise werden intelligente Zähler, die Echtzeitdaten zum Stromverbrauch sammeln, seit Jahrzehnten in der Industrie eingesetzt. Die Veränderungen in der Branche erfolgen jedoch eher langsam und haben viel Trägheit. Unternehmen gehen mit Vorsicht an neue Lösungen heran und prüfen deren Wert und Sicherheit genau, bevor sie diese in Betrieb nehmen. Inzwischen vollzieht sich die digitale Transformation in allen Branchen rasant, und die Energie- und Versorgungsbranche muss mit dem globalen Digitalisierung Tempo Schritt halten.

Neue Trends in der Gesellschaft treiben Energieunternehmen dazu, sich schneller zu verändern und Innovationen in ihrer Arbeit einzusetzen. Einer dieser Trends ist die schnell steigende Nachfrage nach grüner Energie. Im Jahr 2020 haben 13.000 Wissenschaftler aus 153 Ländern die im Bericht „World Scientists‘ Warning of Climate Change“ vorgestellten Ergebnisse unterstützt. Der Bericht deckte die Klimakrise auf und appellierte an die Länder, die Kohlendioxid Emissionen weltweit zu reduzieren. Um schneller auf saubere Energie umzusteigen, haben sich mehr als 110 Länder verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden, und China hat sich verpflichtet, dies bis 2060 zu erreichen. Das bedeutet, dass Unternehmen ihren Ansatz zur Energiegewinnung umstellen und sich erneuerbaren Quellen zuwenden müssen.

Eine weitere Kraft, die den Wandel in der Branche vorantreibt, ist die wachsende Nachfrage nach Elektrifizierung. Laut dem Bericht von World Energy Outlook wird der weltweite Strombedarf bis 2030 voraussichtlich 550 Terawatt pro Stunde erreichen und 21% des weltweiten Endenergieverbrauchs ausmachen. Dies wird zur Entwicklung von Stromnetzen führen, die in ihrer Kapazität und Anzahl von Installationen zunehmen werden.

All diese Trends wirken sich positiv auf die Entwicklung des Energiesektors aus und führen zu einer geringeren Nutzung fossiler Brennstoffe für die Stromerzeugung und einer erhöhten Nachfrage nach IT-Geräten, -Anwendungen und -Dienstleistungen für ein effektives Geschäftswachstum.

Vorteile der digitalen Transformation im Energiesektor

Der Einsatz von IT-Technologien im Energiebereich bietet den Energie- und Versorgungsunternehmen vielfältige Vorteile. Werfen wir einen Blick darauf, wie sie IT-Lösungen nutzen können, um ihre Geschäftsentwicklung zu verbessern:

Verbesserte Interaktion mit den Kunden – Durch die Entwicklung verschiedener Web- und Mobil-Apps können die Unternehmen ihr Angebot kundenorientierter gestalten, die nachgefragten Dienstleistungen bereitstellen und die Kunden besser über ihren Stromverbrauch informieren. Darüber hinaus können die Unternehmen durch die Kombination von Kunden-Apps mit anderen Innovationen ihr Kundenverhalten beeinflussen, die Beispiele davon sind Reduzierung von Treibhausgasemissionen, nachhaltigere Nutzung von Strom, stärkere Nutzung grüner Energie und vieles mehr;

Verbesserte Sicherheit – Neben der Digitalisierung ihres Kundenerlebnisses können die Energieunternehmen auch die Sicherheit ihrer Mitarbeiter verbessern, indem sie Arbeits Schulungen in einer sicheren Umgebung mit VR/AR-Lösungen anbieten;

Bessere Zuverlässigkeit – Energieunternehmen und Stromversorgungssysteme verwenden bereits digitale Lösungen, um viele Vorgänge zu automatisieren; Unternehmen ohne solide digitale Infrastruktur oder die eine veraltete Software verwenden, sind anfälliger für Cyber-Risiken. Mit der zunehmenden Digitalisierung machen sich Unternehmen mehr Gedanken darüber, wie sie ihre Cyber-Risiko Fähigkeiten verbessern können, und viele von ihnen implementieren dafür Blockchain- und künstliche Intelligenz Lösungen. Die Technologien ermöglichen es, die Cybersicherheit von eigenständigen Prozessen und über ganze Unternehmen hinweg zu stärken;

Besseres Datenmanagement – ​​mit der Digitalisierung können die Unternehmen ihre Energie-Wertschöpfungsketten effektiv modernisieren, einschließlich Energieerzeugung, -transport, -verteilung, -versorgung sowie Netzmanagement. Dies kann mit Hilfe von IoT, ML, intelligenten Zählern und anderen digitalen Innovationen erfolgen. Der Aufbau intelligenter Netze wird es den Unternehmen ermöglichen, große Datenmengen aus verschiedenen Quellen zu verarbeiten und wertvolle Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sie ihre Abläufe glätten und verbessern können.

Verbesserte Leistung – Der Aufbau digitaler Plattformen für das Energieinfrastruktur Management und deren Integration in die Cloud ermöglicht es den Unternehmen, ihre Effizienz zu verbessern und neue Werte zu erschließen, z. B. Cloud Asset Management-Systeme und ML-Algorithmen können die Unternehmen benachrichtigen, wann der beste Zeitpunkt für die Wartung ihrer Assets ist, Kundenabwanderung mithilfe von Echtzeit-Datenanalyse Lösungen vorhersagen und vieles mehr.

Fazit

Die digitale Transformation in der Energie- und Versorgungswirtschaft ist ein natürlicher Prozess, der durch gesellschaftliche und technologische Veränderungen verursacht wird und den viele Branchen erleben. Es ermöglicht für die Unternehmen, neue Horizonte der digitalen Möglichkeiten zu eröffnen und ein neues Niveau des globalen Wirtschaftswachstums und des Umweltschutzes zu erreichen.

Die Implementierung digitaler Technologien auf jeder Ebene in der Branche erfordert aufgrund ihrer Besonderheiten einen hohen Aufwand, z.B. große und komplexe Vermögenswerte, eine Reihe verschiedener Partner, die an Lieferketten beteiligt sind, hohe Standards für Sicherheitsmaßnahmen und die Einhaltung des Rechtssystems in einem bestimmten Bereich und andere. Dennoch bieten sie den Energieunternehmen viele Vorteile, darunter verbesserte Kundenservices, verbesserte Sicherheit und Cyber-Risiken, besseres Datenmanagement und bessere Leistung.